Logo brainatwork horizontal.png

Mobile First: Wie SEO-schädlich sind ausklappbare Texte in Akkordeons und Tabs wirklich?

Der Trend zur Internetnutzung über mobile Endgeräte ist ungebrochen. Schon lange setzen sich Webdesigner und Redakteure mit der Frage auseinander, wie sich Websites auf Smartphones und Tablets optimal darstellen lassen. Denn es ist eine Kunst für sich, auf den kleinen Displays eine hohe Übersichtlichkeit und Usability zu erreichen.
Aufklapptexte Akkordeon
Sehr oft wird bei der Mobile-Optimierung von Internetseiten auf ausklappbare Texte gesetzt. Erst wenn der Nutzer auf diese Akkordeons bzw. Tabs klickt, wird der dahinterliegende Text sichtbar. So lässt sich Platz sparen und Website-Besucher finden sich besser zurecht. Die entsprechenden Informationen sind also zunächst „versteckt“.
Wir haben uns gefragt, ob und wie sich versteckte Texte auf das Google-Ranking auswirken. Die Aussagen von Google zu diesem Thema sind (wie so oft) nicht ganz eindeutig. Wir haben deshalb zwei eigene Feldversuche durchgeführt und dabei spannende Erkenntnisse gewonnen.

Google sagt: Ja, wir lesen auch versteckte Texte, aber …

Bereits des Öfteren wurden Google-Mitarbeiter konkret nach Konsequenzen ausklappbarer Texte auf die Sichtbarkeit in der Suchmaschine gefragt. Google’s meist zitierter Mitarbeiter mit dem Jobtitel „Senior Webmaster Trends Analyst“ John Mueller antwortete 2020 auf die Frage, ob versteckte Texte im Ranking abgestraft werden, folgendermaßen:
image
"No. Specifically when it comes to content on mobile pages we do take into account anything that’s in the HTML. So if there’s something there that might be visible to users at some point we will include that."
Quelle: https://youtu.be/L9GN4VX6xww?t=2194
Twitter Logo White On Blue
Google-Mitarbeiter Gary Illyes beantwortete auf twitter eine ähnliche Frage 2016:
"on desktop content in page elements like accordions is devalued or not indexed. Is this the same when crawling mobile content?"
Seine Antwort: "no, in the mobile-first world content hidden for ux should have full weight"
Die beiden Zitate widersprechen jedoch einem früheren, 2014 abgegebenen Statement von John Mueller:

„[...] we’ve gone a little bit further now to actively ignore the information that’s not directly visible. So if you want that content really indexed, I'd make sure it's visible for the users when they go to that page.“
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tFSI4cpJX-I


Hat Google seine Haltung gegenüber verstecktem Text also wirklich um 180 Grad gedreht? Die neueren Statements legen das nahe. Aber ranken Ausklapptexte wirklich genau so gut wie normaler Text? Konkrete Aussagen zu diesem Thema seitens Google sucht man vergeblich.

Feldversuch 1:
Werden Texte in Akkordeons/Tabs wirklich von Google indiziert?

Wir wollten es genauer wissen. Um endlich Gewissheit über die Indizierung von Akkordeons und Tabs zu erhalten, haben wir zwei empirische Versuche zu den SEO-Auswirkungen ausklappbarer Texte durchgeführt. So sind wir bei dem ersten Feldversuch vorgegangen:
  1. Zunächst haben wir eine beliebige Website mit Ausklapptexten gesucht.
  2. Diese haben wir ausgeklappt und eine markante Stelle daraus in die Google-Suchleiste kopiert.
  3. Der Textschnipsel wurde dabei in Anführungszeichen gesetzt, um die Suchmaschine damit anzuweisen, nach exakt dieser Phrase zu suchen.
  4. Anschließend haben wir überprüft, ob die ursprüngliche Website in den Suchergebnissen auftaucht.
Das Ergebnis aus einer Stichprobe von 51 Websites:
image
  • 34 Ausklapptexte wurden von Google gefunden und dann auch unter den Top-3 Treffern gelistst.
  • Aber 17 Phrasen wurden auf Platz 11 oder schlechter, manche auch gar nicht gelistet.
  • Dabei machte es keinen Unterschied, ob wir den Versuch am PC oder am Smartphone durchführten.
Fazit:
Offenbar besteht tatsächlich eine hohe Chance, dass versteckte Texte von Google indiziert werden. Teilweise werden sie jedoch ignoriert. Es scheint in jedem Fall riskant zu sein, Informationen in Akkordeons und Tabs zu verbergen.

Feldversuch 2:
Wie gut ranken Texte in Akkordeons/Tabs?

In einem zweiten Versuch haben wir indirekt die Auswirkungen von verborgenen Texten auf das Ranking untersucht. Dazu wurden verschiedene Fragen bei Google eingegeben und jeweils sämtliche Internetseiten auf der ersten Trefferseite auf vorhandene Ausklapptexte überprüft.
Warum verwendeten wir Fragen? Weil Fragen klassischerweise in FAQ-Bereichen beantworten werden, und FAQ-Seiten besonders gerne mit Hilfe von Akkordeon-Aufklapptexten gestaltet werden.

Das Ergebnis aus 5 Fragen und insgesamt 70 untersuchten Websites:
  • Bei der Suche am PC enthielt keine einzige Website auf der ersten Seite der Suchergebnisse einen Ausklapptext.
  • Bei der Suche am Smartphone waren es gerade einmal zwei. Allerdings handelte es sich dabei jeweils um Wikipedia-Artikel, und Wikipedia erhält bekanntlich immer Top-Platzierungen.
  • Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Ausklapptexte auf erfolgreichen Websites kaum bis überhaupt nicht vorkommen.

Fazit:
Was ranken soll, darf nicht versteckt werden!

Bereits aus diesen kleinen Feldversuchen lässt sich ein klares Fazit ziehen. Auch wenn Google versteckte Inhalte (meistens) indiziert, scheinen sie das Ranking negativ zu beeinflussen. Unter den Suchergebnissen auf der ersten Google-Seite gab es in unserem Versuch, bis auf Wikipedia, keine einzige Website mit Tabs oder Akkordeons. So nützlich versteckte Inhalte für das Website-Design und die Nutzerfreundlichkeit auch sein mögen, aus SEO-Sicht ist ihre Verwendung nicht zu empfehlen. Sowohl bei der Desktop- als auch der mobilen Version von Websites sollten rankingrelevante Inhalte daher nicht in Ausklapptexten versteckt werden.

Warum werden Ausklapptexte von Google abgestraft?

Es liegt nahe, dass dies etwas mit dem obenstehenden, schon etwas älteren Statement von John Mueller zu tun hat. Google will vermeiden, dass Nutzer aufgrund des Vorschautextes eine Website aufrufen und den entsprechenden Inhalt dann nicht finden, weil er versteckt ist. Es ist fraglich, inwiefern diese Sorge berechtigt ist, denn Ausklapptexte sollten für die meisten Nutzer eigentlich keine Hürde darstellen.

Neues HTML-Standardelement könnte wieder alles ändern

Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte. Google entwickelt sich ständig weiter. Speziell die Behandlung von Ausklapptexten könnte sich in naher Zukunft drastisch ändern.
Bislang mussten Akkordeons mit JavaScript programmiert werden. Seit 2019 gibt es ein standardisiertes Element namens „details“, das ganz ohne Programmierung ein Akkordeon erzeugt. Da dieses Element von allen modernen Browsern unterstützt wird, könnte es Akkordeons und Tabs in Zukunft weniger SEO-schädlich machen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Vermutung – eine technische Beschreibung des neuen HTML-Elements findet sich hier:
https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/HTML/Element/details

Unsere Empfehlung für ein Top Google-Ranking

Kurz und schnörkellos: Für die nächsten 1-2 Jahre (Stand 2021) sollten alle Inhalte, die ranken sollen, nicht versteckt werden. Alles andere wäre derzeit ein Experiment mit ungewissem (SEO-)Erfolg.