Was Werbung leisten kann, was psychologisch tatsächlich belegt ist, welche Kanäle sich für welches Budget rechnen — und welche Termine im Jahr wirklich Umsatz bringen. Mit sechs Rechnern, in die ihr eure eigenen Zahlen eintragen könnt.
Dieser Guide beantwortet keine einzige Frage über euren Shop. Er liefert das, was unabhängig vom Shop gilt: die Rechenlogik, die belegte Psychologie, die Kanäle mit ihren echten Preisen und den Jahreskalender. Alles Projektspezifische kommt in einem zweiten Schritt dazu — die zwölf Fragen dafür stehen in Sektion 08.
Lest Sektion 01 und füllt die beiden Rechner dort aus — danach wisst ihr, was eine Bestellung euch wert ist. Dann springt in Sektion 05 (welcher Kanal zu eurem Budget passt) und Sektion 06 (welche Termine zu eurem Sortiment passen). Der Rest ist Nachschlagewerk. Jedes Fachwort ist in Sektion 09 erklärt — kurz, mit Beispiel.
Ein Grundlagen-Guide. Keine Kampagnenplanung, keine Empfehlung für einen konkreten Shop.
Netto heißt: ohne Umsatzsteuer. Jeder Euro-Betrag in diesem Guide ist ein Nettobetrag — so, wie ihr ihn auch in eurer Buchhaltung seht. Die einzige Ausnahme ist die Außenwerbungs-Preisliste in Sektion 04; sie ist ausdrücklich als Bruttopreis gekennzeichnet, weil der Vermarkter sie so veröffentlicht.
Nicht jede Angabe hier hat denselben Rang. Manches ist nachprüfbar, manches ist eine gut begründete Einschätzung. Damit ihr das unterscheiden könnt, trägt jede Zahl genau ein Kennzeichen:
Fakt Nachprüfbar an einer Originalquelle. Eine Preisliste, ein Gesetzestext, ein Gerichtsurteil, eine amtliche Statistik — oder eine Rechnung, deren Formel im Guide offen daneben steht. Beispiel: „Dialogpost Standard bis 20 g kostet 0,38 € netto" — das steht so in der Preisliste der Deutschen Post.
Studie Ergebnis einer benannten Untersuchung. Wer sie gemacht hat, wann, und mit wie vielen Fällen, steht immer daneben. Wenn der Herausgeber ein wirtschaftliches Interesse am Ergebnis hat — was bei Verbands- und Anbieterstudien die Regel ist — sagen wir das ausdrücklich dazu. Beispiel: „24,1 % Öffnungsrate" stammt von einem E-Mail-Dienstleister, der nur seine eigenen Kunden gemessen hat.
KI-Meinung Eine Einschätzung ohne eigenen Beleg. Faustregel, Größenordnung, Empfehlung, Ableitung. Auch dann, wenn sie aus belegten Zahlen hergeleitet ist. Solche Stellen sind nicht falsch — sie sind nur nicht gemessen. Alle stehen gesammelt im Belegstatus-Kasten in Kapitel §.
Erhebung 2025 Das Jahr, in dem die Daten entstanden sind — nicht das Jahr der Veröffentlichung. Das ist ein Unterschied: Eine Studie von 2025 kann Zahlen von 2019 enthalten. Liegt die Erhebung mehr als vier Jahre zurück, ist der Chip rot: Erhebung 2019.
Unmarkierter Fließtext erklärt und ordnet ein, er behauptet nichts Nachprüfbares. Eine Zahl ohne Kennzeichen wäre ein Fehler.
In Sektion 02 stehen Sätze wie dieser. Er sieht sperrig aus, sagt aber etwas Einfaches — hier einmal auseinandergenommen:
Metaanalyse über 37 Studien und 335 Effektstärken, mittlerer Effekt d = 0,278, p = 0,1126 für den Moderator „Urgency".
„Jemand hat 37 Einzeluntersuchungen zusammengerechnet. Im Schnitt wirkt Knappheit — aber nur schwach. Und für die Variante mit Countdown und Restbestand war das Ergebnis so wackelig, dass man es genauso gut Zufall nennen kann."
Die belegten Effekte in der Werbepsychologie liegen bei d = 0,1 bis 0,3. Das ist klein. Wenn euch jemand mit einer Studie im Rücken „+30 % Conversion" verspricht, hat er entweder die Studie nicht gelesen oder verkauft etwas. Was diese Zahlen praktisch bedeuten, steht gleich am Anfang von Sektion 02.
Belegt zu sein reicht nicht. Eine Zahl kann sauber erhoben und trotzdem wertlos sein, weil sie eine Welt beschreibt, die es nicht mehr gibt — ein Beispiel: Wie stark ein durchgestrichener Preis wirkt, wurde in den Neunzigern gemessen. Seither gibt es Preisvergleichsportale und die 30-Tage-Regel. Die alte Zahl ist nicht falsch, sie passt nur nicht mehr auf die heutige Lage.
Deshalb wurde jede Zahl, deren Erhebung mehr als vier Jahre zurückliegt, einzeln geprüft. Das Ergebnis steht vollständig in der Altersprüftabelle in Kapitel §. Drei Ausgänge sind möglich:
Wie Menschen wahrnehmen, sich erinnern und Preise verarbeiten, ändert sich nicht in zwanzig Jahren. Ein Wahrnehmungsexperiment von 2007 ist deshalb nicht überholt. Was sich sehr wohl ändert, sind Preise, Reichweiten, Mediennutzung und Rechtslage. Darum steht ein Experiment von 2007 unverändert in Sektion 02, während die Werbeartikel-Wirkungszahlen von 2019 in Sektion 04 ausdrücklich nicht als Beleg verwendet werden.
Für Porto, Druck, Verteilung, Vermarkter- und Tool-Preise gilt die Vier-Jahres-Regel nicht, sondern eine schärfere: vor jeder Verwendung beim Anbieter gegenprüfen. Die Deutsche Post hat ihre Preise zum 01.01.2027 bereits veröffentlicht — sie stehen in Sektion 04 daneben.
Werbung kann Aufmerksamkeit kaufen. Nachfrage erfinden kann sie nicht.
Jede Werbemaßnahme erfüllt genau eine dieser drei Aufgaben. Wer sie vermischt, kann hinterher nicht sagen, ob sie funktioniert hat.
„Wir schalten eine Zeitungsanzeige und schauen, was der Umsatz macht."
Die Anzeige erfüllt Aufgabe 1, der Umsatz misst Aufgabe 3. Steigt der Umsatz nicht, weiß man nicht, ob die Anzeige schlecht war oder ob sie einfach nur etwas anderes bewirkt hat.
„Die Anzeige soll Bekanntheit schaffen. Wir zählen, wie oft in dieser Region nach unserem Firmennamen gesucht wird — sechs Wochen vorher und sechs Wochen nachher."
Aufgabe und Messung passen zusammen. Das Ergebnis ist interpretierbar, egal wie es ausfällt.
Das ist die wichtigste Zahl in diesem ganzen Guide. Sie heißt Deckungsbeitrag: der Betrag, der von einer Bestellung übrig bleibt, nachdem alle Kosten abgezogen sind, die wegen dieser einen Bestellung entstehen. Nicht der Umsatz, nicht der Gewinn — das, was für Werbung, Miete und Gewinn zur Verfügung steht.
Tragt eure eigenen Zahlen ein. Die Vorbelegung ist nur ein Beispiel. Alle Beträge netto.
Der effektive Deckungsbeitrag ist die Zahl, mit der ihr weiterrechnet. Alle Beispielwerte sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose. Fakt — die Formel liegt offen, das Ergebnis ergibt sich aus euren Eingaben.
Diese Zahl heißt im Marketing Ziel-CPA. CPA steht für Cost per Acquisition — Kosten je gewonnenem Kunden. Der Ziel-CPA ist die Obergrenze: Kostet euch ein Neukunde mehr als das, verliert ihr an jeder Bestellung Geld.
Entscheidend ist dabei, ob ein Kunde einmal oder mehrfach kauft. Wer zweimal im Jahr bestellt, ist doppelt so viel wert — und darf entsprechend mehr kosten. Das ist der stärkste Hebel im ganzen Werbebudget, und er hat nichts mit Werbung zu tun.
Den Deckungsbeitrag könnt ihr aus Rechner 1 übernehmen.
Der Unterschied zwischen den beiden rechten Werten ist der Grund, warum manche Shops sich Paketbeilagen oder Creator-Kooperationen leisten können und andere nicht. Wer Wiederkauf hat, darf beim ersten Kauf draufzahlen.
Mit diesen beiden Zahlen — effektiver Deckungsbeitrag und Ziel-CPA — könnt ihr jeden Kanal in diesem Guide sofort bewerten. Beispiel: Bei 12,50 € Ziel-CPA und einer Paketbeilagen-Aktion für 2.000 € müsstet ihr 160 Bestellungen daraus holen, damit sie aufgeht. Bei 20.000 verteilten Flyern wären das 0,8 % Rücklauf. Ob das realistisch ist, sagt euch der Rechner in Sektion 04.
Reichweite ist die Zahl der Menschen, die eure Werbung überhaupt sehen. Frequenz ist, wie oft jeder Einzelne davon sie sieht. Das Budget teilt sich zwangsläufig zwischen beidem auf: Bei festem Geld bedeutet mehr Reichweite weniger Frequenz und umgekehrt.
2.000 € in eine große Anzeige. 100.000 Leser sehen sie genau einmal. Nach der Frequenzforschung liegt ein einzelner Kontakt weit unterhalb der Wirkschwelle — bei fast allen dieser 100.000 passiert nichts.
2.000 € in acht Schaltungen im Lokalteil. 12.000 Leser sehen sie im Schnitt acht Mal. Deutlich weniger Menschen — aber diese wenigen erreichen den Bereich, in dem laut Forschung überhaupt Erinnerung entsteht.
Die bekannteste Faustregel des Fachs lautet: 60 % des Budgets in den langfristigen Markenaufbau, 40 % in den kurzfristigen Abverkauf. Sie stammt aus der Auswertung von 996 Kampagnen, die zwischen 1980 und 2010 bei einem britischen Werbepreis eingereicht wurden. Studie Erhebung 1980–2010
Die Grundlage ist keine Zufallsauswahl, sondern eine Sammlung von Kampagnen, die ihre Urheber selbst für preiswürdig hielten und deren Messung sie sich leisten konnten. Man sieht also nur die Gewinner — und überwiegend große, britische Kampagnen. Der Urheber Les Binet sagt selbst, 60/40 sei „not an iron rule".
Für einen kleinen Onlineshop mit vierstelligem Monatsbudget ist die Zahl keine Planungsgröße, sondern höchstens eine Erinnerung daran: Wer nur über Rabatte wirbt, muss den Rabatt immer wieder erhöhen, um denselben Effekt zu erzielen. KI-Meinung
„Messbar" heißt: Ihr könnt einer einzelnen Bestellung ansehen, durch welche Werbung sie entstanden ist. Das geht bei Weitem nicht überall.
| Kanaltyp | Was sauber messbar ist | Was ihr nur schätzen könnt |
|---|---|---|
| Eigene digitale Kanäle Newsletter, Shop | Klick, Bestellung, Umsatz je Versand, Deckungsbeitrag | Öffnungsrate (Erklärung in Sektion 04), Langzeitwirkung auf die Marke |
| Erfolgsabhängige Kanäle Affiliate, Creator mit Code | jede Bestellung mit Zuordnung | wie viele davon ohnehin gekauft hätten |
| Adressierte Werbung Brief, Paketbeilage | Einlösungen persönlicher Codes | Reaktionen ohne Codenutzung |
| Unadressierte Werbung Postwurf, Flyer | Gutscheincode, eigene Internetadresse, QR-Code | alles andere — geschätzt bleiben 60–90 % der Wirkung unsichtbar KI-Meinung |
| Breitenmedien Radio, Plakat, TV | nichts direkt | nur über einen Regionenvergleich: eine Region mit Werbung gegen eine vergleichbare ohne |
Je schlechter ein Kanal messbar ist, desto größer muss das Budget sein, um überhaupt ein Ergebnis zu sehen — und desto größer ist das Risiko, dass ihr nie erfahrt, ob es funktioniert hat. Das ist der eigentliche Grund, warum kleine Shops bei den eigenen und den erfolgsabhängigen Kanälen anfangen sollten. KI-Meinung
Was tatsächlich belegt ist, wie groß es wirklich ist — und was die Branche behauptet, ohne es belegen zu können.
Die belegten psychologischen Effekte in der Werbung sind klein. Sie bewegen alle in derselben Größenordnung: ein paar Prozent, nicht ein Drittel. Daraus lassen sich keine Conversion-Sprünge von 20 oder 30 Prozent ableiten. Wer euch das verspricht, hat entweder die Studien nicht gelesen oder verkauft etwas.
Damit die folgenden Abschnitte lesbar sind, hier einmal die beiden Maßzahlen, die ständig auftauchen. Beide beantworten dieselbe Frage: Wie groß ist der Unterschied, den man gemessen hat?
| Wert | Einordnung | Was das in eurem Shop heißt |
|---|---|---|
| d = 0,10–0,20 | sehr klein | Im Rauschen. Mit normalen Besucherzahlen in einem eigenen Test nicht nachweisbar — ihr würdet es nie zu sehen bekommen. |
| d = 0,20–0,50 | klein | Real vorhanden, aber nur bei mehreren tausend Beobachtungen sichtbar. |
| d = 0,50–0,80 | mittel | In der Werbewirkungsforschung praktisch nie erreicht. |
| r = 0,09 | sehr schwacher Zusammenhang | Rund 0,8 % der Umsatzunterschiede erklärt. Die anderen 99 % haben andere Gründe — Sortiment, Preis, Lieferzeit, Wettbewerb. |
KI-Meinung Die Spalte „Was das in eurem Shop heißt" ist unsere Übersetzung, keine Angabe der zitierten Studien. Die Einteilung der Effektstärken selbst folgt der üblichen Konvention.
Wer etwas öfter sieht, findet es besser — ganz ohne Argument. Das ist einer der am besten abgesicherten Effekte der Psychologie überhaupt.
Kundenbewertungen hängen mit dem Absatz zusammen. Der Zusammenhang ist real, aber schwach — und die überraschende Erkenntnis betrifft nicht die Note, sondern die Menge.
Vorbehalt: Die zugrunde liegenden Daten sind alt. Seither haben sich Bewertungsinflation, geprüfte Käufe und die Sortierung durch Plattformen stark verändert. Eine neuere Auswertung existiert nicht.
Gütesiegel sind das eine Vertrauenselement, zu dem es ein echtes Feldexperiment gibt — nicht nur eine Umfrage.
Deutschland-Vorbehalt: Die Untersuchung ist US-amerikanisch. Ob deutsche Siegel im deutschen Markt genauso wirken, ist damit nicht belegt. Zahlen, die Siegelanbieter selbst veröffentlichen, sind Werbung, kein Beleg.
Das ist der praktisch wichtigste Befund dieses Kapitels, weil er einer verbreiteten Shop-Taktik direkt widerspricht.
„Nur noch 3 auf Lager"
Countdown: „Angebot endet in 02:14:38"
Diese Variante ist genau die, für die sich in der Auswertung kein gesicherter Effekt zeigte. Kommt dazu: Wenn der Countdown bei jedem Seitenaufruf neu startet oder der Restbestand erfunden ist, ist das wettbewerbsrechtlich angreifbar (Sektion 07).
„Diese Woche 40-mal bestellt"
„Nur solange die Ernte reicht"
„Diese Farbe machen wir nur einmal"
Knappheit durch Nachfrage statt durch künstliche Begrenzung, Saisonbindung und echte Einmaligkeit — das sind die Varianten, für die sich in derselben Auswertung ein Effekt zeigte. Und sie sind wahr, also auch rechtlich unproblematisch.
Vier Befunde, die sich direkt in Preisauszeichnung und Rabattgestaltung übersetzen lassen.
| Befund | Wie stark | Was ihr daraus macht |
|---|---|---|
| 9,99 € statt 10,00 € Studie 69 Untersuchungen, über 40.000 Personen |
d = 0,13 auf die Kaufentscheidung d = 0,28 auf den Eindruck „günstig" |
Kleiner, aber realer Effekt. Und eine gute Nachricht: Der oft behauptete Nachteil „wirkt billig, also minderwertig" ist nicht messbar — die Wirkung auf die wahrgenommene Qualität lag exakt bei null. |
| Rabatt in Prozent statt in Euro Studie Erhebung 1980–1999 |
deutlich stärker (β = 0,570 gegen 0,122) | „−30 %" wirkt spürbar stärker als „−24 €" — bei exakt demselben Betrag. Bei günstigen Artikeln wirkt die Prozentangabe besser, bei teuren ist der Eurobetrag anschaulicher. KI-Meinung |
| Durchgestrichene UVP Studie Erhebung 1980–1999 |
kein messbarer Vorteil | Käufer begegnen der Herstellerempfehlung skeptisch — sie glauben sie einfach nicht. Rechtlich ist sie zusätzlich riskant (Sektion 07). Doppelter Grund, sie nicht zum Hauptargument zu machen. |
| „Sparen Sie bis zu 50 %" Studie Erhebung 1980–1999 |
negativ (β = −0,243) | Diese Formulierung senkt den wahrgenommenen Wert der Aktion. Die offene Spanne wird als Trick gelesen. Besser: den kleinsten garantierten Rabatt nennen. |
„β" (sprich: Beta) ist ein Vergleichsmaß aus der Statistik: Je höher, desto stärker der Einfluss. Ein negatives β heißt, der Effekt geht in die Gegenrichtung. Mehr dazu in Sektion 09.
Was zu diesem Thema tatsächlich untersucht wurde, lautet: Freigrenzen wie „gratis ab 50 €" sind sehr wirksam für Zusatzumsatz — und die dabei entgangenen Versanderlöse waren im untersuchten Fall groß genug, um die Aktion für den Händler unprofitabel zu machen. Studie Erhebung vor 2006
Der Warenkorb steigt also, der Gewinn nicht zwingend. Seit Amazon Prime hat sich die Erwartungshaltung verschoben und die damalige Rechnung ist nicht übertragbar — die Warnung schon. Rechnet es mit Rechner 1 durch, bevor ihr eine Freigrenze setzt.
Verwandt, aber schwach: Erst eine kleine Bitte, dann die große („Fuß in der Tür") und erst eine übertriebene Bitte, dann die eigentliche („Tür ins Gesicht") funktionieren beide — mit r ≈ 0,10, und unter ungünstigen Bedingungen fällt der Effekt auf praktisch null. Studie Erhebung bis 1997
Diese vier Empfehlungen finden sich in nahezu jedem Marketing-Ratgeber. Nach dem aktuellen Forschungsstand sollte man sie nicht mehr geben.
| Verbreitete Empfehlung | Was der aktuelle Stand sagt | Was ihr stattdessen tut |
|---|---|---|
| „Verluste wiegen doppelt so schwer — also mit Verlustangst arbeiten" z. B. „Verpassen Sie nicht…", „Sie verlieren 20 €" |
Lange galt das als gesichert. Eine Neuauswertung von 2025 hat dieselben Daten noch einmal durchgerechnet und dabei zwei Konstruktionsfehler in den alten Versuchsaufbauten herausgerechnet. Danach war der Effekt verschwunden. Der Titel der Arbeit lautet wörtlich: „Loss Aversion is Not Robust". Studie | Den Vorteil benennen, statt mit dem Verlust zu drohen. Kostet nichts und ist nicht angreifbar. |
| „Social Proof wirkt — also ‚über 10.000 zufriedene Kunden' schreiben" | Für allgemeine Mengenbehauptungen bricht die Evidenz zusammen. In 89 kontrollierten Studien mit 85.759 Teilnehmenden zeigte sich zunächst ein kleiner Effekt — nach Korrektur um den Publikationsbias blieb praktisch nichts übrig. Studie Publikationsbias = Studien mit Ergebnis werden veröffentlicht, Studien ohne Ergebnis verschwinden in der Schublade. Rechnet man das heraus, schrumpfen viele Effekte. |
Konkrete, überprüfbare Belege statt runder Zahlen: echte Bewertungen, echte Kundenfotos, echte Anzahl. Wichtig: Das ist kein Beleg gegen Shop-Bewertungen — für die gibt es eigene, positivere Daten (oben). |
| „Countdown und Restbestand erzeugen Kaufdruck" | Genau diese Variante ist die einzige, für die sich in der aktuellsten Auswertung kein gesicherter Effekt zeigte. Studie | Echte Fristen kommunizieren — Lieferdeadline vor Weihnachten, Ende einer Saison. Die wirken, weil sie stimmen. |
| „Je mehr Vertrauenssiegel, desto besser" | Mehr als zwei Siegel gleichzeitig senken die Abschlusswahrscheinlichkeit. Studie | Zwei Signale, gut platziert im Bestellvorgang. Nicht sieben im Footer. |
Diese Zahlen stehen in Präsentationen, Blogartikeln und Agenturangeboten. Keine davon hat eine überprüfbare Quelle.
| Behauptung | Woher sie angeblich stammt | Was wirklich dahintersteckt |
|---|---|---|
| „Sieben Kontakte sind nötig" | mal einem Werbetexter von 1885 zugeschrieben, mal einer Hollywood-Regel der 1930er | Keine der Zuschreibungen ist eine Untersuchung. Die beste verfügbare Evidenz widerspricht in beide Richtungen: höchste Wirkung erst bei rund zehn Kontakten, Erinnerung flacht nicht vor Kontakt acht ab. |
| „Aufmerksamkeitsspanne 8 Sekunden — Goldfische haben 9" | einem Microsoft-Bericht von 2015 | Die Zahl steht in diesem Bericht nicht; Goldfische kommen darin überhaupt nicht vor. Eine BBC-Recherche hat bei den angegebenen Quellen nachgefragt — keine konnte einen Nachweis liefern. |
| „95-5-Regel: nur 5 % sind gerade im Markt" | einem Forschungsinstitut, im Auftrag eines Netzwerks | Keine Messung, sondern eine Überschlagsrechnung: Wer alle fünf Jahre den Anbieter wechselt, ist in einem Quartal zu etwa 5 % „im Markt". Der Urheber sagt selbst, es sei „not meant to be a precise rule". Zudem für Geschäftskunden gerechnet — bei Kosmetik, Mode oder Lebensmitteln ist sie schlicht falsch. |
| „3-Sekunden-Regel" | der Werbewirkungsforschung | Dort gibt es sie nicht. Die Zahl stammt aus den Abrechnungsregeln von Werbeplattformen — ab wann ein Video als „gesehen" bezahlt wird. Das ist keine Aussage über Menschen. |
| „Wir sehen 5.000 Werbebotschaften am Tag" | einer Erhebung von ca. 1984 | Eine überprüfbare Quelle existiert nicht. Die saubere Gegenrechnung trennt: rund 5.000 Markenkontakte inklusive Logos auf Verpackungen und Straßenschildern — aber nur 362 echte Werbekontakte, davon 12 mit bleibendem Eindruck. Dieser Guide nennt deshalb gar keine Tageskontaktzahl. |
| „Farbe steigert die Markenerkennung um 80 %" | einer namentlich genannten US-Universität | Diese Untersuchung ist in dieser Form nicht auffindbar. Es existiert keine belastbare Auswertung zur Farbwirkung auf Bestellungen. Jede Zahl vom Typ „Farbe X steigert die Conversion um Y %" stammt aus einem einzelnen Test eines einzelnen Shops mit einem einzelnen Design. |
Seit einigen Jahren verkaufen Anbieter „Attention-Messung" — Werte dafür, wie viel Aufmerksamkeit ein Werbemittel bekommt. Ein unabhängiger Verband hat das geprüft.
Eine australische Forschungsgruppe hat eine ganze Denkschule geprägt, die in der Branche viel zitiert wird. Ein Teil davon ist solide belegt, ein anderer ist eine Position — das wird selten auseinandergehalten.
Praktisch die gesamte belastbare Evidenz in diesem Kapitel stammt aus den USA, Großbritannien oder Australien. Eine deutschsprachige Untersuchung vergleichbarer Qualität war zu keinem dieser Themen auffindbar.
Das ist nicht egal: Rechnungskauf, das 14-tägige Widerrufsrecht, die Preisangabenverordnung und die deutsche Versandkostenkultur verändern das Kaufverhalten spürbar. Jede Übertragung gehört im Konzept als Übertragung gekennzeichnet — nicht als Tatsache über deutsche Kunden.
Der brauchbarste Teil dieses Kapitels ist nicht, was wirkt, sondern was nachweislich nicht wirkt. Verlustangst als Stilmittel ist nach der Neuauswertung nicht mehr haltbar. Countdown-Knappheit ist die einzige Knappheitsvariante ohne Befund. Runde Social-Proof-Zahlen überleben die Bias-Korrektur nicht. Mehr als zwei Siegel senken die Bestellquote. Kostenloser Versand kann wirksam und unprofitabel sein.
Wer diese fünf Dinge weglässt, spart Geld und Glaubwürdigkeit — ganz ohne eine einzige neue Maßnahme.
Dieselben Grenzen wie im Ads-Guide. Budget entscheidet nicht über Reichweite, sondern darüber, welche Kanäle überhaupt in Frage kommen.
Unterhalb fast aller Mindestbuchungen im klassischen Mediageschäft. Realistisch sind eigene Kanäle, erfolgsabhängige Kanäle und ein einziger Testkanal. Wer hier drei Kanäle parallel fährt, hat drei Maßnahmen, die alle unter der Wirkschwelle bleiben.
Der Bereich, in dem echte Tests möglich werden: Paketbeilagen bei mehreren Versendern, Dialogpost an Bestandskunden, Creator-Kooperationen mit Serie statt Einzelpost. Zwei bis drei Kanäle sind vertretbar, wenn jeder für sich die Mindestdosis erreicht.
Mehrkanalbetrieb mit Teststrukturen. Erst hier werden Radio, Außenwerbung und Addressable TV überhaupt sinnvoll dosierbar — und erst hier lohnt der Aufwand für Geo-Testdesigns, mit denen man ihre Wirkung überhaupt messen kann.
KI-Meinung Die drei Grenzwerte sind eine Einschätzung; es gibt keine Norm dafür, ab wann ein Budget „mittel" ist. Sie sind aus dem Ads-Guide übernommen, damit beide Guides dieselbe Sprache sprechen. Begründbar sind sie trotzdem: An beiden Grenzen liegen konkrete Mindestbuchungsgrößen — Paketbeilagen ab rund 1.500–2.000 €, Radio ab rund 2.500–3.500 €, DOOH ab empfohlenen 5.000 €.
Die Klassen oben meinen reines Schaltbudget. Produktion kommt zusätzlich und wird regelmäßig unterschätzt: Flyer-Gestaltung 100–500 €, Radiospot-Produktion ab 590 €, DOOH-Motiv 500–5.000 €, Fotos und Videos je nach Anspruch deutlich mehr. Faustregel: Wer keine 20–30 % des Schaltbudgets zusätzlich für Produktion hat, sollte den Kanal nicht buchen. KI-Meinung
| Frage | Low (bis 1.000 €) | Mid (1.000–10.000 €) | High (ab 10.000 €) |
|---|---|---|---|
| Kanäle parallel | 1 Testkanal + eigene Kanäle | 2–3 | 3–5 |
| Schwerpunkt | Aktivierung, sofort messbar | Aktivierung + erster Wiedererkennungsaufbau | Funnel über Bekanntheit, Erinnerung, Aktivierung |
| Offline sinnvoll? | nur Paketbeilage im eigenen Versand | Paketbeilagen fremd, Dialogpost an Bestandskunden | zusätzlich Postwurf, Print regional, Radio |
| Testdesign | Gutscheincode je Maßnahme | Code je Partner, Vorher-Nachher-Vergleich | Geo-Test mit Kontrollregion |
| Auswertungsrhythmus | monatlich, nach Deckungsbeitrag | alle 2 Wochen | wöchentlich, plus Quartalsauswertung |
| Termine im Jahr | 2–3 gezielte Aktionen | 5–8 Aktionen | durchgehender Jahresplan |
Der häufigste Fehler bei kleinem Budget ist nicht der falsche Kanal, sondern zu viele Kanäle gleichzeitig. Jeder Kanal hat eine Mindestdosis, unter der er nichts tut. Drei Kanäle mit je einem Drittel Budget liefern nicht ein Drittel Wirkung — sie liefern in der Regel gar keine. KI-Meinung
17 Kanäle jenseits von Suchmaschinen- und Social-Werbung, mit echten Preisen, Mindestbudgets und ehrlicher Eignungsbewertung.
Bei Werbeartikeln, TV, Influencern, Paketbeilagen, Außenwerbung und lokalem Sponsoring stammen sämtliche auffindbaren Preis- und Wirkungsangaben von Parteien mit wirtschaftlichem Eigeninteresse. Es gibt dort keine neutrale Marktbeobachtung. Das erklärt, warum man im Netz zu genau diesen Kanälen so viele selbstbewusste Zahlen ohne Quelle findet. Wo wir nichts Belastbares gefunden haben, steht das hier ausdrücklich — statt einer plausibel klingenden Schätzung.
TKP (Tausend-Kontakt-Preis, englisch CPM): Was es kostet, tausend Menschen einmal zu erreichen. Rechnung: Kosten geteilt durch Kontakte, mal 1.000. Beispiel: 600 € für 20.000 Paketbeilagen ergeben 30 € TKP. Der TKP macht Kanäle vergleichbar — er sagt aber nichts darüber, ob die tausend Menschen die richtigen sind.
Streuverlust: Der Anteil der Erreichten, für die euer Angebot nicht in Frage kommt. Ein Gemeindeblatt mit 4.000 Haushalten hat für einen bundesweiten Nischenshop fast 100 % Streuverlust — die Kontakte sind billig und trotzdem wertlos.
Mindestdosis: Die Menge, unter der ein Kanal gar nichts tut. Ein einzelner Radiospot, eine einzelne Zeitungsanzeige, 500 verteilte Flyer — das ist kein kleiner Erfolg, das ist meist gar keiner. Deshalb steht bei jedem Kanal ein Mindestbudget.
Zur Einordnung des Gesamtmarkts: Die Netto-Werbeeinnahmen der erfassbaren Werbeträger in Deutschland lagen bei 27,88 Mrd. € (+4,3 %), der Online-Anteil bei 56,6 %. Studie Erhebung 2025 Der Verband hält selbst fest: ohne das Internet-Segment wäre der Markt um 5,3 % geschrumpft. Die absoluten Euro-Werte je Mediengattung sind nicht frei verfügbar.
Kein Vermarkter dazwischen, niedrigste Kosten, beste Messbarkeit. Hier fängt jeder Shop an.
Bezahlt wird nach Ergebnis. Planbares Kostenrisiko, eingebautes Tracking.
Funktioniert für Paketbeilagen, Postwurf, Flyer und Beilagen in Zeitungen. Der wichtigste Wert steht ganz rechts: die Rücklaufquote, ab der die Aktion aufgeht. Wenn die unrealistisch hoch aussieht, spart euch die Aktion.
So nutzt ihr den Rechner ehrlich: Ignoriert zuerst eure eigene Schätzung und schaut nur auf den letzten Wert. Fragt euch dann: Würde diese Rücklaufquote euch nicht überraschen? Wenn doch — Finger weg von der Aktion. Fakt für die Formel, KI-Meinung für die Vorbelegung der Rücklaufquote.
1.000 × (0,38 € Porto + 0,18 € EASY-Aufschlag) = 560 € netto Porto, zzgl. Druck (~60–100 €), zzgl. Lettershop und Adressaufbereitung. Realistisch 900–1.500 € netto für einen 1.000er-Test. Fakt für die Portobestandteile, KI-Meinung für die Gesamtspanne.
Preise Stand 01.01.2026, netto. EASY ist der Tarif für kleine Mengen unterhalb der regulären Mindestmenge — er kostet einen festen Aufschlag je Stück. Druck, Adressen und Lettershop sind hier nicht enthalten.
Fakt Alle Preise stammen aus den Preisblättern der Deutschen Post, Stand 01.01.2026. Zum 01.01.2027 steigen sie um rund 3–6 % — vor einer Buchung beim Anbieter gegenprüfen. Nicht enthalten: Produktionszuschläge, Selektionsaufpreise, Lettershop.
Druck ca. 300–600 € + Verteilung ca. 690 € + Gestaltung 100–500 € = rund 1.100–1.800 € netto. Zum Vergleich: Haushaltswerbung über die Deutsche Post kostet bei 10.000 Stück bis 20 g allein an Zustellung 760–1.700 €. Private Verteiler sind also günstiger — belastbare Vergleichsdaten zur Zustellzuverlässigkeit gibt es allerdings nicht.
Für einen Onlineshop ist der Flyer fast immer dann sinnvoll, wenn er nicht verteilt, sondern ins eigene Paket gelegt wird. Gleiche Druckkosten, kein Streuverlust, qualifizierter Empfänger.
1/4 Seite Gesamtausgabe, einmalig: 840 mm × 13,69 € ≈ 11.500 € netto für eine einzige Schaltung. Und ein Kontakt wirkt nicht (siehe Sektion 01).
1/4 Seite im Lokalteil einer Regionalausgabe: 840 mm × ca. 2,50 € ≈ 2.100 € netto — und damit Budget für mehrere Schaltungen statt einer.
Die überall zitierten Werte — „70 % Markenerinnerung gegenüber 28 % bei TV" — stammen aus einer Verbandsstudie, deren Erhebungsjahr in keiner zugänglichen Quelle genannt wird und die zuletzt 2019 berichtet wurde. Auftraggeber ist der Branchenverband, der vom Ergebnis profitiert. Der Vergleich selbst ist methodisch schief: gestützte Erinnerung an ein Objekt im eigenen Besitz gegen die Erinnerung an einen flüchtigen Spot. Neuere, unabhängig erhobene Wirkungszahlen gibt es nicht. Wir führen diese Zahlen deshalb nicht als Beleg.
Auch zur Marktgröße kursieren zwei unvereinbare Zahlen: 3,33 Mrd. € Branchenumsatz und 12,4 Mrd. € für die gesamte Wertschöpfungskette. Wer die zweite als „Werbeartikelmarkt" zitiert, überzeichnet um den Faktor 3 bis 4.
Eine Kreisliga-Bande wird von wenigen hundert Zuschauern je Heimspiel gesehen, bei rund fünfzehn Heimspielen pro Saison. Als Werbekanal gerechnet ist das teuer. Für einen bundesweit versendenden Onlineshop ohne lokale Wurzeln ist das keine Werbeinvestition, sondern eine Spende mit Logo. Das ist völlig in Ordnung — man sollte es nur so nennen und nicht als Reichweite verbuchen. KI-Meinung Steuerlich ist die Abgrenzung zwischen Betriebsausgabe und Spende vom Steuerberater zu prüfen.
Hohe Mindesteinsätze, schlechte Attribution. Für Low- und Mid-Budget in aller Regel nicht erreichbar.
Die ehrliche Antwort: Für den allergrößten Teil kleiner und mittlerer B2C-Shops ist TV — auch Addressable TV — kein sinnvoller Kanal. Dasselbe Budget in Paketbeilagen, Newsletter-Ausbau oder Affiliate investiert liefert messbare Ergebnisse. Die „ab 500 €"-Angabe bezieht sich auf reine Schaltkosten; mit TV-tauglicher Spotproduktion und den Mindestvolumina der Vermarkter liegt der tatsächliche Einstieg deutlich höher. KI-Meinung
| Kanal | Mindestbudget netto | Vorlauf | Messbarkeit | Eignung Onlineshop |
|---|---|---|---|---|
| E-Mail-Newsletter | 0–30 €/Monat | Tage | hoch | sehr hoch |
| Paketbeilage eigener Versand | < 100 € | 1–2 Wochen | hoch | sehr hoch |
| Bewertungen / Trust | 0–1.500 €/Jahr | Tage | mittel | hoch |
| Affiliate | ~50 €/Monat + Provision | 4–8 Wochen | sehr hoch | hoch |
| Paketbeilage fremd | 1.500–2.000 € | 3–6 Wochen | hoch | hoch |
| Influencer / Creator | ab wenige hundert € | 2–6 Wochen | hoch mit Code | mittel–hoch |
| Dialogpost (Bestandskunden) | 900–1.500 € | 3–5 Wochen | hoch | mittel–hoch |
| Gewinnspiel | ab ~200 € | 1–2 Wochen | Liste hoch, Wert unklar | mittel |
| Werbeartikel als Beilage | ab ~100 € | 1–3 Wochen | niedrig | mittel |
| Unadressierte Werbung | 300–1.400 € | 2–4 Wochen | niedrig | gering–mittel |
| Flyer + Verteilung | ab ~500 € | 2–3 Wochen | niedrig | gering |
| Anzeigen-/Gemeindeblatt | ab ~50 € | 1–2 Wochen | niedrig | gering |
| Tageszeitung | 200–500 € | Tage–2 Wochen | niedrig | gering |
| Radio lokal | 2.500–3.500 € | 2–4 Wochen | niedrig | gering |
| OOH / DOOH | ab ~5.000 € | 4–6 Wochen | niedrig | gering |
| Messen | nicht belegbar | 6–12 Monate | mittel | gering |
| Lokales Sponsoring | ab ~300 € | Wochen | ~null | sehr gering |
| TV / Addressable TV | realistisch ≥ 5.000 € | 6–12 Wochen | niedrig–mittel | sehr gering |
KI-Meinung Die Spalte „Eignung Onlineshop" ist unsere Gesamtbewertung aus Kosten, Messbarkeit, Streuverlust und Mindestdosis. Sie gilt für einen durchschnittlichen, bundesweit versendenden B2C-Shop ohne lokalen Bezug. Ein Shop mit Ladengeschäft oder regionaler Marke bewertet mehrere Zeilen anders.
Nicht „welcher Kanal ist gut", sondern „welcher Kanal erreicht bei diesem Budget überhaupt seine Mindestdosis".
| Kanal | Low bis 1.000 € | Mid 1.000–10.000 € | High ab 10.000 € | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| E-Mail-Newsletter | Ja | Ja | Ja | Kosten praktisch null, beste Messbarkeit. In jeder Klasse der erste Kanal. |
| Paketbeilage eigener Versand | Ja | Ja | Ja | Kein Streuverlust, Druckkosten im zweistelligen Bereich je 1.000. |
| Bewertungen einsammeln | Ja | Ja | Ja | Kostenlos bis günstig; wirkt auf vorhandene Besucher. |
| Kostenpflichtiges Gütesiegel | Vielleicht | Ja | Ja | Low: 12-Monats-Bindung bei ab 119 €/Monat ist ein relevanter Budgetanteil. Vorher A/B-Test. |
| Affiliate | Vielleicht | Ja | Ja | Low: Fixkosten und Betreuungsaufwand nur bei ausreichendem Bestellvolumen tragbar. |
| Influencer / Creator | Vielleicht | Ja | Ja | Low: nur Nano-Creator mit Produktgestellung. Einmalposts wirken nicht — Serie einplanen. |
| Paketbeilage fremd | Nein | Ja | Ja | Mindestauflage 20.000 je Versender; ein sinnvoller Test braucht mehrere Partner. |
| Dialogpost Bestandskunden | Vielleicht | Ja | Ja | Low: 1.000er-Test ab ca. 900 € möglich, verbraucht aber fast das Monatsbudget. |
| Dialogpost Neukunden | Nein | Vielleicht | Ja | Adressmiete und Streuverlust machen das erst ab größeren Auflagen rechenbar. |
| Gewinnspiel | Vielleicht | Ja | Ja | Günstig im Aufbau, aber Adressqualität unbelegt. Nur mit getrennter Auswertung. |
| Werbeartikel als Beilage | Vielleicht | Ja | Ja | Klischeekosten machen Kleinauflagen teuer je Stück. |
| Unadressierter Postwurf | Nein | Vielleicht | Ja | Nur bei belegbaren regionalen Clustern in den eigenen Bestelldaten. |
| Flyer mit Haushaltsverteilung | Nein | Vielleicht | Vielleicht | Auch bei großem Budget bleibt der Streuverlust. Nur mit lokalem Anlass. |
| Anzeigen-/Gemeindeblatt | Vielleicht | Vielleicht | Vielleicht | Billig genug für jede Klasse — aber für bundesweite Shops in jeder Klasse fast wirkungslos. |
| Tageszeitung regional | Nein | Vielleicht | Ja | Ein Kontakt wirkt nicht. Sinnvoll erst ab Budget für 6+ Schaltungen im Lokalteil. |
| Radio lokal | Nein | Vielleicht | Ja | Produktion ab 590 € plus Mindestkontaktdosis. Unter ca. 2.500 € sinnlos. |
| OOH / DOOH | Nein | Nein | Vielleicht | 50.000 € brutto Mindestvolumen beim Direkteinkauf; über Selbstbucher nur mit Geo-Test messbar. |
| Messen | Nein | Nein | Vielleicht | Nur Publikumsmesse mit exakter Produktpassung, und dann als Listenaufbau, nicht als Umsatzkanal. |
| TV / Addressable TV | Nein | Nein | Vielleicht | Mit Produktion realistisch fünfstellig. Für den Großteil der Shops auch dann nicht die beste Verwendung. |
| Lokales Sponsoring | Vielleicht | Vielleicht | Vielleicht | Als Werbekanal in keiner Klasse zu rechtfertigen. Als bewusste lokale Geste in jeder. |
KI-Meinung Die gesamte Tabelle ist eine Ableitung aus den Mindestbudgets und Mindestdosen in Sektion 04 sowie aus der Messbarkeitslogik in Sektion 01. Sie ist begründet, aber nicht empirisch getestet.
Erst die belegte Saisonalität, dann der Kalender — und zu jedem Termin, was sich dann tatsächlich verkaufen lässt.
Die einzige Quelle ohne Eigeninteresse am Ergebnis ist die amtliche Statistik: auskunftspflichtige Meldungen, keine Auftragsfinanzierung. Aus den preisbereinigten, bewusst nicht saisonbereinigten Monatsindizes des Versand- und Internet-Einzelhandels lässt sich die Saisonkurve direkt berechnen.
| Monat | Saisonfaktor Online (Jahresdurchschnitt = 100) | Anteil am Jahresumsatz | Saisonfaktor stationär |
|---|---|---|---|
| Januar | 92,6 | 7,7 % | 91,4 |
| Februar | 85,9 — Jahrestief | 7,2 % | 88,3 |
| März | 96,7 | 8,1 % | 101,2 |
| April | 92,3 | 7,7 % | 100,8 |
| Mai | 94,4 | 7,9 % | 100,2 |
| Juni | 94,0 | 7,8 % | 99,9 |
| Juli | 95,8 | 8,0 % | 100,9 |
| August | 93,3 | 7,8 % | 98,1 |
| September | 97,3 | 8,1 % | 96,8 |
| Oktober | 104,1 | 8,7 % | 101,7 |
| November | 124,8 | 10,4 % | 104,0 |
| Dezember | 128,7 — Jahreshoch | 10,7 % | 116,6 |
Fakt Erhebung 2015–2019 Eigene Berechnung aus den amtlichen Monatsindizes (Basis 2015 = 100). Die Formel: Monatsindex geteilt durch den Jahresmittelwert, mal 100.
Erstens: Die Saisonalität ist online fast doppelt so stark wie stationär. Spitze zu Tief online 128,7 / 85,9 = Faktor 1,50; stationär nur 116,6 / 88,3 = Faktor 1,32.
Zweitens: Online liegen November und Dezember fast gleichauf, stationär dominiert der Dezember allein. Das ist der statistische Fingerabdruck von Black Friday und Cyber Monday.
Die frei abrufbare Monatsreihe endet im September 2020 — der öffentliche Gastzugang zur Datenbank des Statistischen Bundesamts ist abgeschaltet, die Fortschreibung erfordert eine kostenlose Registrierung. Zudem wurde im Mai 2026 auf das Basisjahr 2021 = 100 und eine neue Wirtschaftszweigklassifikation umgestellt; Zeitreihen über diesen Bruch hinweg sind ohne Verkettung nicht vergleichbar.
Die Pandemiejahre haben das Niveau verschoben. Ob sie auch die Form der Kurve verändert haben, lässt sich mit den frei verfügbaren Daten nicht prüfen. KI-Meinung Wir halten die Grundform für weiterhin gültig, weil sie an Feiertage und Gehaltszyklen gekoppelt ist — nachweisen können wir das nicht.
Alle beweglichen Termine sind gerechnet, nicht abgeschrieben. Der Wochentag steht dabei, damit ihr nachrechnen könnt. Fakt
| Termin | 2026 | 2027 | Vorlauf Werbung | Relevanz |
|---|---|---|---|---|
| Neujahr / gute Vorsätze | 01.01. (Do) | 01.01. (Fr) | Kampagne ab 26.12. live | belegt relevant |
| Heilige Drei Könige | 06.01. (Di) | 06.01. (Mi) | — | Folklore |
| „Winterschlussverkauf" | ab ca. 26.01. | ab ca. 25.01. (Mo) | 2 Wochen | Nische Mode |
| Weiberfastnacht | 12.02. (Do) | 04.02. (Do) | 6 Wochen | Nische regional |
| Valentinstag | 14.02. (Sa) | 14.02. (So) | 3–4 Wochen | Nische, stark |
| Rosenmontag | 16.02. (Mo) | 08.02. (Mo) | Peak-Bestellungen 3–5 Wochen vorher | Nische regional |
| Faschingsdienstag | 17.02. (Di) | 09.02. (Di) | — | Nische regional |
| Aschermittwoch | 18.02. (Mi) | 10.02. (Mi) | 1 Woche | Nische Food |
| Weltfrauentag | 08.03. (So) | 08.03. (Mo) | 3 Wochen | Folklore |
| Frühlingsanfang | 20.03. (Fr) | 20.03. (Sa) | 4–6 Wochen | belegt relevant |
| Karfreitag | 03.04. (Fr) | 26.03. (Fr) | — | stiller Feiertag |
| Ostersonntag | 05.04. (So) | 28.03. (So) | 8–10 Wochen | belegt relevant |
| Ostermontag | 06.04. (Mo) | 29.03. (Mo) | — | Sale-Anlass |
| Record Store Day | 18.04. (Sa) | 17.04. (Sa) | 4 Wochen | nur Musikhandel |
| Tag der Arbeit | 01.05. (Fr) | 01.05. (Sa) | — | Folklore |
| Vatertag / Chr. Himmelfahrt | 14.05. (Do) | 06.05. (Do) | 3–4 Wochen | belegt relevant |
| Muttertag | 10.05. (So) | 09.05. (So) | 4–6 Wochen | belegt relevant |
| Pfingstmontag | 25.05. (Mo) | 17.05. (Mo) | 2 Wochen | mäßig |
| Fronleichnam | 04.06. (Do) | 27.05. (Do) | — | regional |
| Amazon Prime Day | 23.–26.06. (Di–Fr) | noch nicht angekündigt | Deal-Anmeldung ca. 8 Wochen | belegt relevant |
| Sommerferien (gestaffelt) | — | 21.06.–13.09. | 6–8 Wochen je Region | Traffic-Verteilung |
| „Sommerschlussverkauf" | ab ca. 27.07. | ab ca. 26.07. (Mo) | 2 Wochen | Nische Mode |
| Back to School / Einschulung | Mitte Aug.–Mitte Sept. | Mitte Aug.–Mitte Sept. | Ranzen: Jan.–März · Material: 4–6 Wochen | belegt relevant |
| Oktoberfest | 19.09.–04.10. | 18.09.–03.10. | 6–8 Wochen | Nische |
| Tag der Deutschen Einheit | 03.10. (Sa) | 03.10. (So) | — | Folklore |
| Prime Deal Days (Herbst) | 06.–07.10. (Di–Mi) | noch nicht angekündigt | 2–3 Wochen | belegt relevant |
| Weltspartag | 30.10. (Fr) | 29.10. (Fr) | — | Folklore |
| Halloween | 31.10. (Sa) | 31.10. (So) | 6–8 Wochen | Nische, stark |
| Martinstag | 11.11. (Mi) | 11.11. (Do) | 3–4 Wochen | Nische |
| Singles' Day | 11.11. (Mi) | 11.11. (Do) | 2–3 Wochen | Grenzfall |
| Volkstrauertag | 15.11. (So) | 14.11. (So) | — | stiller Feiertag |
| Totensonntag | 22.11. (So) | 21.11. (So) | — | stiller Feiertag |
| Black Week Start | 23.11. (Mo) | 22.11. (Mo) | — | Konvention |
| BLACK FRIDAY | 27.11. (Fr) | 26.11. (Fr) | 6–8 Wochen | stärkster Einzeltermin |
| 1. Advent | 29.11. (So) | 28.11. (So) | Adventskalender: Aug./Sept. | belegt relevant |
| Cyber Monday | 30.11. (Mo) | 29.11. (Mo) | mit Black Friday | belegt relevant |
| 2. Advent | 06.12. (So) | 05.12. (So) | — | belegt relevant |
| Nikolaus | 06.12. (So) | 06.12. (Mo) | 4 Wochen | Nische Süßwaren |
| 3. Advent | 13.12. (So) | 12.12. (So) | — | belegt relevant |
| Letzter Adventssamstag | 19.12. (Sa) | 18.12. (Sa) | — | frequenzstärkster Tag |
| 4. Advent | 20.12. (So) | 19.12. (So) | — | Last-Minute |
| Last Shipping Day | ca. 18.–21.12. | ca. 16.–21.12. | ab 1. Advent kommunizieren | operativ kritisch |
| Heiligabend | 24.12. (Do) | 24.12. (Fr) | — | nur Digitalgüter |
| 1. / 2. Weihnachtsfeiertag | 25.12. (Fr) / 26.12. (Sa) | 25.12. (Sa) / 26.12. (So) | — | Gutscheineinlösung |
| Zwischen den Jahren | 27.–30.12. | 27.–30.12. | — | belegt relevant |
| Silvester | 31.12. (Do) | 31.12. (Fr) | 3 Wochen | Nische Party |
| Januar-Retourenwelle | KW 1–4 | KW 1–4 | operativ, keine Werbung | rechnerisch, nicht gemessen |
Vatertag liegt 2027 vor dem Muttertag — 06.05. gegen 09.05., nur drei Tage Abstand. Die Kampagnen überlappen; wer beide fährt, braucht getrennte Motive und eine klare Reihenfolge in der Aussteuerung.
Beide Weihnachtsfeiertage fallen 2027 aufs Wochenende (Sa/So). Kein verlängertes Wochenende, aber auch nur ein verlorener Werktag in der Logistik.
Valentinstag 2027 fällt auf einen Sonntag — die faktische Lieferdeadline ist damit Freitag, der 12.02. Halloween 2027 fällt ebenfalls auf einen Sonntag, die Partys sind aber am Samstag: Lieferdeadline Donnerstag, 28.10. Nikolaus 2026 ist zugleich der 2. Advent. Und 2026 liegt der 1. Advent zwischen Black Friday und Cyber Monday — eine ungewöhnlich dichte Taktung.
| Bundesland | Beginn | Ende |
|---|---|---|
| Sachsen-Anhalt | 21.06.2027 | 04.08.2027 |
| Berlin · Brandenburg | 08.07.2027 | 21.08.2027 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 12.07.2027 | 21.08.2027 |
| Rheinland-Pfalz · Saarland · Sachsen | 12.07.2027 | 20.08.2027 |
| Hamburg · Niedersachsen | 15.07.2027 | 25.08.2027 |
| Nordrhein-Westfalen | 15.07.2027 | 28.08.2027 |
| Hessen | 19.07.2027 | 27.08.2027 |
| Schleswig-Holstein · Thüringen | 19.07.2027 | 28.08.2027 |
| Bremen | 22.07.2027 | 01.09.2027 |
| Baden-Württemberg | 29.07.2027 | 11.09.2027 |
| Bayern | 31.07.2027 | 13.09.2027 |
Spannweite 21.06. bis 13.09.2027 — knapp zwölf Wochen. Für Back-to-School heißt das: Die NRW-Kampagne startet rund sechs Wochen vor der bayerischen. Eine bundesweit gleichzeitig ausgespielte Schulstart-Kampagne verbrennt in beiden Richtungen Budget. Fakt für die Termine (Kultusministerkonferenz; vor verbindlicher Planung dort gegenprüfen), KI-Meinung für die Ableitung.
Einschulungstermine 2027: Belegt sind nur Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (jeweils 21.08.2027). Für die übrigen vierzehn Länder lagen zum Redaktionsschluss keine offiziellen Termine vor — die Ministerien legen sie teils erst 12 bis 18 Monate vorher fest. Näherung für die Planung: erster Samstag nach Ferienende des jeweiligen Landes. KI-Meinung
Der Rechner, der vor jeder Rabattaktion laufen sollte. Er beantwortet eine einzige Frage: Wie viel mehr müsst ihr verkaufen, nur um genauso viel zu verdienen wie ohne Rabatt? Die Antwort überrascht fast immer.
Das Beispiel in der Vorbelegung: 20 % Rabatt auf einen Artikel mit 50 % Rohmarge kostet euch 40 % eures Verdiensts je Stück — ihr müsst rund zwei Drittel mehr Stück verkaufen, nur um gleich viel zu verdienen. Bei 30 % Rabatt bräuchtet ihr bereits die zweieinhalbfache Menge. Alles darunter ist ein Verlustgeschäft mit mehr Arbeit, mehr Versand und mehr Retouren. Fakt — die Formel liegt offen.
Nicht vergessen: Ab Rabatt gilt die 30-Tage-Regel § 11 PAngV. Der Prozentsatz muss sich auf den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage beziehen, nicht auf den zuletzt verlangten. Siehe Sektion 07.
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wie groß ist der Umsatz? | Prognose 5,8 Mrd. € für Black Friday und Cyber Monday, erstmals rückläufig (−2 %). Studie Erhebung 2025 Umfrage unter über 1.000 Online-Shoppern im Auftrag eines Handelsverbands. |
| Wie belastbar ist diese Zahl? | Es gibt in Deutschland keine transaktionsbasierte Messung des Black-Friday-Umsatzes. Alle kursierenden Milliardenzahlen sind Hochrechnungen aus Absichtsbefragungen. Für benachbarte Jahre nennen zwei Quellen 5,8 und 6,4 Mrd. € — bei gegenläufiger Richtung. |
| Wie viele machen mit? | Je nach Erhebung 48 %, 52 %, 84 % oder 85 % — für dasselbe Ereignis. Die Fragestellung treibt das Ergebnis. Keine dieser Zahlen sollte als „die" Black-Friday-Zahl zitiert werden. Nutzbar ist nur die Richtung: Teilnahme hoch und stabil, Ausgaben pro Kopf real stagnierend. |
| Wie hoch sind die Rabatte wirklich? | 7 % durchschnittliche Ersparnis über alle Kategorien; 73 % der Produkte waren günstiger als im Oktober. Stärkste Nachlässe: TV −17 %, Staubsauger −15 %, E-Bikes −15 %. Schwächste: Smartphones −5 %. Studie Erhebung 2025 Einzige Quelle mit echten Preisdaten statt Befragung. |
| Gibt es Mondpreise? | In der Breite nein: keine systematischen Preiserhöhungen vor dem Aktionstag in den Top-Kategorien. Händler senken über den November hinweg, das Tief liegt in der Black-Friday-Woche. |
| Schafft Black Friday Umsatz oder zieht er ihn nur vor? | Für Deutschland existiert keine kausale Studie. Indizien für Verlagerung: online liegen November (124,8) und Dezember (128,7) fast gleichauf, stationär dominiert der Dezember klar; und über die Hälfte der Black-Friday-Käufer kauft dabei Weihnachtsgeschenke. Indiz für Zusatzumsatz: rund ein Drittel der Käufer erwirbt Artikel, die sie sonst nicht gekauft hätten. Beide Effekte existieren nebeneinander; das Netto-Verhältnis ist öffentlich nicht quantifiziert. |
Käufer halten 30 bis 50 % für einen normalen Black-Friday-Rabatt, tatsächlich sind es im Schnitt 7 %. Rund ein Drittel nimmt die Rabatte als niedriger wahr als beworben — bei gleichzeitig hoher Zufriedenheit. Für einen kleinen Shop folgt daraus: nicht in den Prozentwettbewerb einsteigen, sondern wenige echte Angebote klar auszeichnen. KI-Meinung
| Termin | Warum nicht |
|---|---|
| Tag der Deutschen Einheit | 2026 Samstag, 2027 Sonntag — kein Brückentag, kein Handelseffekt. Höchstens als Aufhänger. |
| Weltspartag | Für Onlineshops ohne Finanzbezug reine Folklore. |
| Weltfrauentag | Umsatzseitig Folklore, dazu hohes Risiko, als Vereinnahmung gelesen zu werden. In Berlin und MV Feiertag — dort wirkt allenfalls der freie Tag. |
| Heilige Drei Könige | Feiertag nur in BW, BY und ST. Kein Kaufanlass. |
| Volkstrauertag · Totensonntag · Karfreitag | Stille Feiertage. Kein Werbeanlass — hier geht es darum, die Tonalität anzupassen, nicht eine Aktion zu fahren. Totensonntag liegt unmittelbar vor dem Start der Black Week. |
| Welttag des Kaffees, Weltkatzentag und Verwandte | Reine Social-Media-Anlässe ohne messbaren Umsatzeffekt außerhalb des jeweiligen Spezialsortiments. Als organischer Beitrag in Ordnung, als Werbebudget nicht. |
| „Winter-" und „Sommerschlussverkauf" | Rechtlich seit 2004 abgeschafft; der Handel hält den Rhythmus faktisch bei. Durch ganzjährige Rabattierung stark verwässert — ein eigenständiger Anlass ist es nicht mehr. KI-Meinung |
| Green Friday | Als Positionierung für nachhaltige Shops ein echtes Differenzierungsinstrument. Umsatzseitig nicht belegt — das ist Markenarbeit, kein Verkaufstermin. |
Der häufigste Fehler im Jahresplan ist nicht ein verpasster Termin, sondern zu viele Termine. Wer zwölf Aktionen fährt, hat zwölfmal Aufwand und keine einzige, die auffällt — und gewöhnt die eigene Liste daran, nie zum Normalpreis zu kaufen. Bei Low-Budget sind zwei bis drei Termine im Jahr realistisch; sie sollten die sein, die zum Sortiment passen, nicht die, die im Kalender am lautesten sind. KI-Meinung
Die Kurzfassung mit Normverweis. Keine Rechtsberatung — für Detailfragen der Rechts-Guide und im Zweifel ein Anwalt.
An diesem Tag treten die neuen Regeln zu Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegeln in Kraft (Umsetzung der EmpCo-Richtlinie durch das Dritte UWG-Änderungsgesetz vom 12.02.2026). Ab dann gilt unter anderem: Klimaneutralitätsaussagen, die auf Kompensation beruhen, sind per se unzulässig Anh. Nr. 4c UWG, ebenso selbst vergebene „Nachhaltigkeitssiegel" ohne Zertifizierungssystem Anh. Nr. 2a UWG. Wer heute mit „klimaneutral", „umweltfreundlich" oder einem Eigen-Siegel wirbt, sollte das vor diesem Datum prüfen.
| Thema | Norm | Was gilt |
|---|---|---|
| Streichpreise und Rabatte | § 11 PAngV | Bei jeder bekannt gegebenen Preisermäßigung ist der niedrigste Gesamtpreis der letzten 30 Tage anzugeben. Der EuGH hat entschieden, dass dieser Wert nicht bloß zusätzlich zu nennen, sondern Berechnungsgrundlage der beworbenen Ermäßigung ist C-330/23, 26.09.2024. Ein Prozentrabatt muss sich also auf den 30-Tage-Tiefstpreis beziehen, nicht auf den zuletzt verlangten Preis. Der Referenzpreis muss klar erkennbar und gut lesbar stehen — eine klein gedruckte Fußnote genügt nicht. UVP-Streichpreise sind derzeit rechtlich umstritten; ein Verfahren dazu ist beim BGH anhängig. Konservativ: bei jeder Ermäßigungs-Optik zusätzlich den 30-Tage-Bestpreis angeben. |
| Bewertungen | § 5b Abs. 3 UWG | Wer Verbraucherbewertungen zugänglich macht, muss informieren, ob und wie er sicherstellt, dass sie von echten Käufern stammen. Es ist eine reine Transparenzpflicht — man darf auch offenlegen, dass nicht geprüft wird. Die Instanzrechtsprechung verschärft Ort und Zeitpunkt: Der Hinweis muss zeitgleich mit der Bewertung erscheinen, also schon bei aggregierten Sternen auf Kategorieseiten, nicht erst auf der Produktdetailseite. Gefälschte oder beauftragte Bewertungen sind per se unzulässig Anh. Nr. 23c UWG, ebenso Bewertungen gegen Gewinnspielteilnahme. |
| Umweltaussagen | § 5 UWG n.F. | Bis 26.09.2026 gilt die BGH-Linie: Bei mehrdeutigen Umweltbegriffen besteht eine gesteigerte Aufklärungspflicht, und die Bedeutung muss in der Werbung selbst erläutert werden — ein QR-Code oder externer Link genügt nicht I ZR 98/23, 27.06.2024. Ab 27.09.2026 wird daraus ein Per-se-Verbot für kompensationsbasierte Klimaaussagen. |
Die genannten Normen und die höchstrichterlichen Entscheidungen sind Fakt. Mehrere der zitierten Instanzentscheidungen aus 2025 und 2026 konnten nur über Fachpresse und Kanzleiquellen belegt werden, nicht im Volltext — sie sind in Kapitel § als solche gekennzeichnet. Vor einer konkreten Werbemaßnahme mit rechtlichem Risiko gehört das geprüft, nicht aus einem Guide übernommen.
Dieser Guide beantwortet keine Frage über euren Shop. Diese zwölf Angaben machen daraus eine Empfehlung.
| # | Thema | Was wir wissen müssen |
|---|---|---|
| 1 | Sortiment | Was wird verkauft, in welcher Preislage, wie viele Artikel? Saisonware oder ganzjährig? |
| 2 | Deckungsbeitrag | Was bleibt netto je Bestellung übrig — nach Wareneinsatz, Versand, Retouren, Zahlungsgebühren? Ohne diese Zahl ist kein Ziel-CPA berechenbar. |
| 3 | Wiederkauf | Einmalkauf oder regelmäßig? Umsatz im zweiten Jahr? Entscheidet, was ein Neukunde kosten darf. |
| 4 | Retouren | Tatsächliche Quote je Kategorie. Geht direkt vom Deckungsbeitrag ab. |
| 5 | Zielgruppe | Wer kauft heute tatsächlich — aus den Bestelldaten, nicht aus der Vermutung. |
| 6 | Nachfrage | Wird aktiv gesucht, oder muss der Bedarf geweckt werden? Entscheidet die Kanalfrage vor jedem Budgetargument. |
| 7 | Regionalität | Zeigen die Bestelldaten regionale Cluster? Nur dann sind Print, Postwurf, Radio und OOH überhaupt eine Überlegung wert. |
| 8 | Budget | Werbebudget netto pro Monat — und getrennt davon Produktion, Fotos, Texte, Landingpage, Betreuung. |
| 9 | Bestand | Newsletterliste (Größe, Aktivität), Bewertungen, Bildmaterial, Video, Tracking, Consent-Lösung. Jede Lücke ist Vorlaufzeit oder Kosten. |
| 10 | Saison | Welche Termine aus Sektion 06 betreffen das Sortiment wirklich? Welche eigenen Spitzen zeigen die Vorjahresumsätze? |
| 11 | Kapazität | Wie viele Bestellungen am Tag, wie viele Anfragen pro Woche sind verkraftbar? |
| 12 | Wettbewerb | Wer wirbt im selben Umfeld, womit, in welcher Preislage? Beobachtung, keine Kopiervorlage. |
Was unbeantwortet bleibt, wird im Konzept als Annahme sichtbar gemacht — nicht stillschweigend gesetzt. Das Ergebnis gehört in ein eigenes Projektdokument, nicht in diesen Guide.
Nach jeder Maßnahme dieselben vier Zahlen eintragen. Der Rechner sagt, ob ihr weitermacht, nachbessert oder aufhört — bevor ihr euch das schönrechnet.
Die Auswertung, die nach jeder abgeschlossenen Maßnahme läuft.
Wichtig: Die Ampel vergleicht mit eurem Ziel-CPA, nicht mit einem Branchenwert. Bis 20 % darüber ist Nachbessern vertretbar — deutlich darüber gehört die Maßnahme gestoppt oder umgebaut, nicht verlängert. KI-Meinung für die 20-Prozent-Grenze.
Jedes Fachwort aus diesem Guide, in einem Satz erklärt und mit einem Beispiel.
| Begriff | Einfach erklärt | Beispiel |
|---|---|---|
| Netto / Brutto | Netto = ohne Umsatzsteuer, brutto = mit. Alle Preise in diesem Guide sind netto, außer einer ausdrücklich gekennzeichneten Ausnahme. | 95,20 € brutto sind bei 19 % Umsatzsteuer 80,00 € netto. |
| Wareneinsatz | Was euch die verkaufte Ware selbst gekostet hat — reiner Einkauf, ohne eure eigenen Kosten. | Ihr kauft ein Hemd für 40 € ein und verkauft es für 80 €. Wareneinsatz = 40 €. |
| Deckungsbeitrag (DB) | Was von einer Bestellung übrig bleibt, nachdem alle Kosten abgezogen sind, die wegen dieser Bestellung entstehen. Davon werden Miete, Werbung und Gewinn bezahlt. Die wichtigste Zahl im ganzen Guide. | 80 € Umsatz − 40 € Ware − 5 € Versand − 1,50 € Zahlungsgebühr = 33,50 €. Rechner 1. |
| Marge | Der Deckungsbeitrag als Prozentsatz vom Umsatz. Macht Artikel unterschiedlicher Preislage vergleichbar. | 25 € von 80 € Umsatz = 31 % Marge. |
| CPA Cost per Acquisition | Was euch ein gewonnener Kunde tatsächlich gekostet hat: Werbekosten geteilt durch Bestellungen. | 2.000 € Kampagne, 120 Bestellungen = 16,67 € je Bestellung. |
| Ziel-CPA | Die Obergrenze: So viel darf ein Kunde kosten, damit ihr noch verdient. Alles darüber ist Verlust. | 25 € Deckungsbeitrag, davon die Hälfte für Werbung = 12,50 € Ziel-CPA. Rechner 2. |
| Kundenwert auch: Customer Lifetime Value, CLV | Was ein Kunde über alle seine Bestellungen hinweg einbringt — nicht nur beim ersten Kauf. | 25 € Deckungsbeitrag × 2,5 Bestellungen = 62,50 €. Deshalb darf ein Neukunde mehr kosten, als die erste Bestellung einbringt. |
| Break-even | Der Punkt, an dem eine Maßnahme weder Gewinn noch Verlust macht. Alles darüber ist Gewinn. | 2.000 € Kosten geteilt durch 25 € Deckungsbeitrag = 80 Bestellungen zum Break-even. |
| Rücklaufquote auch: Response-Rate | Wie viel Prozent der Empfänger tatsächlich reagieren — also bestellen, den Code einlösen, die Seite aufrufen. | 20.000 Beilagen, 100 Bestellungen = 0,5 % Rücklaufquote. |
| Conversion / Conversion-Rate | Conversion = eine gewünschte Handlung (Bestellung, Anmeldung). Die Rate ist ihr Anteil an allen Besuchern. | 1.000 Besucher, 20 Bestellungen = 2 % Conversion-Rate. |
| Warenkorbabbruch | Jemand legt etwas in den Warenkorb und bestellt dann doch nicht. | Häufigster genannter Grund: zu hohe Zusatzkosten beim letzten Schritt. |
| Retourenquote | Anteil der Bestellungen, die zurückgeschickt werden. Sie geht direkt vom Deckungsbeitrag ab. | Mode ca. 40 %, Schuhe bis 80 %, Bücher und DIY unter 10 %. |
| Begriff | Einfach erklärt | Beispiel |
|---|---|---|
| TKP / CPM Tausend-Kontakt-Preis | Was es kostet, tausend Menschen einmal zu erreichen. Macht Kanäle vergleichbar — sagt aber nichts über die Qualität der Kontakte. | 600 € für 20.000 Beilagen = 30 € TKP. |
| Reichweite | Wie viele verschiedene Menschen eure Werbung überhaupt sehen. | Eine Anzeige in einem Blatt mit 12.000 Lesern hat 12.000 Reichweite. |
| Frequenz | Wie oft jeder Einzelne davon sie sieht. Bei festem Budget geht mehr Frequenz immer auf Kosten der Reichweite. | Acht Schaltungen im selben Blatt = Frequenz 8 bei gleicher Reichweite. |
| Kontakt | Ein einzelnes Sehen oder Hören der Werbung durch eine Person. | 12.000 Leser × 8 Schaltungen = 96.000 Kontakte. |
| Streuverlust | Der Anteil der Erreichten, für die euer Angebot nicht in Frage kommt. | Ein Tierbedarfs-Shop wirbt im Gemeindeblatt: Rund zwei Drittel der Haushalte haben kein Haustier. |
| Attribution | Die Zuordnung einer Bestellung zu der Werbung, die sie ausgelöst hat. Klingt einfach, ist es selten. | Jemand sieht ein Plakat, googelt euch, klickt später einen Newsletter — welcher Kontakt bekommt die Bestellung zugeschrieben? |
| Last-Click | Die einfachste Attributionsregel: Der letzte Klick vor der Bestellung bekommt alles zugerechnet. Benachteiligt alles, was vorher passiert ist. | Ein Gutscheinportal, das der Kunde kurz vor dem Kauf aufruft, kassiert die volle Provision — obwohl er ohnehin gekauft hätte. |
| Affiliate / Publisher | Partner, die euch Kunden vermitteln und nur bei tatsächlichem Verkauf eine Provision bekommen. | Ein Testportal verlinkt euren Shop und erhält 6 % vom Nettowarenwert jeder vermittelten Bestellung. |
| Opt-in / Double-Opt-in | Opt-in = ausdrückliche Zustimmung zur Werbung. Double-Opt-in = diese Zustimmung wird per Bestätigungsmail nachgewiesen. | Anmeldeformular ausfüllen, dann den Link in der Bestätigungsmail klicken. Erst dann darf der Newsletter kommen. |
| Öffnungsrate / Klickrate / CTOR | Öffnungsrate = Anteil der geöffneten Mails. Klickrate = Anteil der Empfänger, die geklickt haben. CTOR = Klicks bezogen nur auf die Öffner. | Die Öffnungsrate ist seit den Datenschutzfunktionen von Apple unbrauchbar — CTOR und Umsatz je Mail sind aussagekräftiger. |
| Lettershop | Dienstleister, der Briefsendungen druckt, kuvertiert, adressiert und bei der Post einliefert. | Bei einem 1.000er-Mailing macht der Lettershop einen spürbaren Teil der Gesamtkosten aus. |
| Klischee | Die einmalige Druckvorlage für Werbeartikel. Fällt pro Motiv an, nicht pro Stück — deshalb sind Kleinauflagen je Stück so teuer. | 500 Kugelschreiber kosten nicht 500 × Stückpreis, sondern deutlich mehr. |
| Dekade | Der Buchungszeitraum in der Außenwerbung: rund zehn bis elf Tage. | 2026 gibt es 34 Dekaden im Jahr. |
| mm-Preis / Satzspiegel | Zeitungsanzeigen werden nach Höhe in Millimetern je Spalte abgerechnet. Der Satzspiegel ist die bedruckbare Fläche einer ganzen Seite. | Eine Viertelseite entspricht 840 mm. Bei 13,69 €/mm sind das rund 11.500 €. |
| Listenpreis | Der veröffentlichte Preis. In Print, Radio, Plakat und TV praktisch immer nur die Verhandlungsbasis. | Ein Verlag gewährt Direktkunden pauschal 15 % Nachlass — das steht so in seiner eigenen Preisliste. |
| Geo-Test | Die einzige saubere Messmethode für Radio, Plakat und TV: Eine Region bekommt Werbung, eine vergleichbare nicht. Der Unterschied ist die Wirkung. | Sechs Wochen Radiowerbung in Region A, nichts in Region B, dann die Umsatzentwicklung vergleichen. |
| A/B-Test | Zwei Varianten gleichzeitig zeigen, Besucher zufällig aufteilen, Ergebnis vergleichen. Braucht viele Beobachtungen, um aussagekräftig zu sein. | Effekte in der Größenordnung dieses Guides (d ≈ 0,1–0,3) sind mit üblichen Shop-Besucherzahlen nicht nachweisbar. |
Diese Begriffe braucht ihr, um Sektion 02 zu lesen — und um zu erkennen, wenn euch jemand mit einer Studie beeindrucken will, die nichts hergibt.
| Begriff | Einfach erklärt | Beispiel / Merkhilfe |
|---|---|---|
| Studie | Eine einzelne Untersuchung. Sagt für sich genommen wenig — Einzelstudien widersprechen sich ständig. | „Eine Studie zeigt…" ist kein Argument, solange nicht dabei steht, welche und wie groß. |
| Metaanalyse | Viele Einzelstudien zu derselben Frage werden nach festen Regeln zusammengerechnet. Die belastbarste Form der Evidenz — deshalb stammen fast alle Zahlen in Sektion 02 daraus. | „37 Studien mit 335 Einzelergebnissen" heißt: Hier wurde nicht einmal gemessen, sondern siebenunddreißigmal. |
| Stichprobe (n) | Wie viele Personen oder Fälle untersucht wurden. Je größer, desto weniger Zufall im Ergebnis. | n = 137 Studierende im Labor ist etwas völlig anderes als 288.169 echte Bestellvorgänge. |
| Randomisiert / RCT | Die Teilnehmer werden per Zufall auf die Gruppen verteilt. Das ist der Goldstandard — nur so lässt sich Ursache von Zufall trennen. | Ein Feldexperiment, bei dem ein zufälliger Teil der Shop-Besucher ein Siegel sieht und der andere nicht. |
| Effektstärke (d, g) | Wie groß der gemessene Unterschied ist. 0,2 = klein, 0,5 = mittel, 0,8 = groß. | Werbepsychologie liegt fast immer zwischen 0,1 und 0,3 — also klein bis sehr klein. |
| Korrelation (r) | Wie stark zwei Dinge zusammenhängen, von 0 (gar nicht) bis 1 (perfekt). Ein Zusammenhang ist keine Ursache. | r = 0,09 zwischen Bewertungen und Absatz erklärt weniger als 1 % der Unterschiede. |
| Beta (β) | Ein Vergleichsmaß für den Einfluss einer Größe. Je höher, desto stärker. Negativ heißt: wirkt in die Gegenrichtung. | Prozentrabatt β = 0,570 gegen Eurobetrag β = 0,122 — der Prozentsatz wirkt also deutlich stärker. |
| p-Wert / signifikant | Wie wahrscheinlich es ist, dass das Ergebnis reiner Zufall war. Unter 0,05 gilt üblicherweise als belastbar, darüber nicht. | p = 0,1126 für Countdown-Knappheit heißt: Das Ergebnis könnte gut Zufall sein — man kann sich nicht darauf berufen. |
| Konfidenzintervall | Der Bereich, in dem der wahre Wert vermutlich liegt. Je enger, desto verlässlicher. | „d = 0,278 [0,224; 0,321]" heißt: wahrscheinlich zwischen 0,22 und 0,32 — auf jeden Fall klein. |
| Publikationsbias | Studien mit Ergebnis werden veröffentlicht, Studien ohne verschwinden in der Schublade. Dadurch sieht die Forschungslage besser aus, als sie ist. | Beim Social Proof schrumpfte der Effekt nach Korrektur von d = 0,14 auf praktisch null. |
| Erhebungsjahr | Das Jahr, in dem die Daten entstanden sind — nicht das Jahr der Veröffentlichung. | Eine 2025 veröffentlichte Studie kann Zahlen von 2019 enthalten. Deshalb steht in diesem Guide überall der Chip Erhebung JJJJ. |
| Interessenkonflikt | Der Herausgeber verdient daran, dass das Ergebnis so ausfällt. Macht eine Studie nicht wertlos — man muss es nur wissen. | Eine Verbandsstudie zur Wirkung von Werbeartikeln, bezahlt vom Werbeartikel-Verband. |
| Primär- / Sekundärquelle | Primär = die Untersuchung selbst. Sekundär = jemand berichtet darüber. Zahlen wandern über Sekundärquellen erstaunlich oft in falschen Kontext. | In diesem Guide ist bei jeder Angabe vermerkt, welche der beiden es war. |
| Begriff | Einfach erklärt | Beispiel |
|---|---|---|
| UWG | Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Regelt, was in der Werbung erlaubt ist und was nicht. | § 7 UWG verbietet Werbe-E-Mails ohne Einwilligung. |
| PAngV | Preisangabenverordnung. Regelt, wie Preise ausgezeichnet werden müssen. | § 11 PAngV verlangt bei Rabatten den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage als Bezugsgröße. |
| 30-Tage-Regel | Ein Prozentrabatt muss sich auf den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage beziehen — nicht auf den zuletzt verlangten. | Wer zwei Wochen lang 60 € verlangt hat, darf nicht mit „−25 % statt 80 €" werben. |
| Berechtigtes Interesse | Eine Rechtsgrundlage der Datenschutz-Grundverordnung, die ohne Einwilligung auskommt — wenn eure Interessen die des Empfängers überwiegen. | Deshalb ist Briefwerbung erlaubt, E-Mail-Werbung ohne Einwilligung aber nicht. |
| Bestandskundenausnahme | Der einzige Fall, in dem Werbe-E-Mails ohne ausdrückliche Einwilligung erlaubt sind. Vier Bedingungen müssen alle erfüllt sein. | Adresse beim Kauf selbst erhalten, Werbung für ähnliche Ware, kein Widerspruch, Abmeldehinweis in jeder Mail. |
| Kopplungsverbot | Eine Einwilligung ist nur wirksam, wenn sie freiwillig ist. Sie an etwas anderes zu koppeln, ist heikel. | Gewinnspielteilnahme nur mit Werbeeinwilligung ist nicht per se verboten — aber die werbenden Firmen müssen konkret genannt sein. |
| Dialogpost | Der Tarif der Deutschen Post für adressierte Werbesendungen. Deutlich günstiger als ein normaler Brief, dafür mit Mindestmenge. | 0,38 € statt Briefporto — ab 5.000 Stück, mit EASY-Tarif ab 500. |
| POSTWURFSPEZIAL | Teiladressierte Haushaltswerbung: ohne Namen, aber an ausgewählte Straßenzüge. | Wird faktisch auch in Briefkästen mit „Keine Werbung"-Aufkleber zugestellt — die Rechtslage dazu ist ungeklärt. |
| EASY-Tarif | Der Kleinmengen-Tarif der Post für Sendungen unterhalb der regulären Mindestmenge. Kostet einen festen Aufschlag je Stück. | Dialogpost EASY: +0,18 € je Stück, dafür schon ab 500 Sendungen. Rechner 4. |
Wenn euch jemand eine Zahl aus einer Studie nennt, fragt drei Dinge: Wer hat gemessen und verdient daran? Wann wurden die Daten erhoben? Wie viele Fälle waren es? Wenn eine dieser drei Antworten fehlt, ist die Zahl kein Argument — egal wie überzeugend sie klingt. Genau deshalb stehen sie in diesem Guide überall dabei.
Alles, was man im Kopf haben sollte — mit Belegstufe.
Alle mit offengelegter Formel. Tragt eure eigenen Zahlen ein.
Die Grenzen sind identisch mit dem Ads-Guide.
Eigene Berechnung aus amtlichen Monatsindizes, 2015–2019, Basis 2015 = 100.
Untergrenze für einen Test, der überhaupt ein interpretierbares Ergebnis liefern kann.
Netto, Stand 01.01.2026. Die Preise zum 01.01.2027 sind bereits veröffentlicht.
Und danach die, die nicht stimmen.
Zahlen und Regeln, für die es keinen Beleg gibt.
Jede Zahl im Guide ist hier belegt — inklusive der Stellen, an denen wir nichts gefunden haben.
Alle Zahlen mit Erhebung vor September 2022, geprüft und eingeordnet.
| Zahl | Erhebung | Ergebnis der Prüfung |
|---|---|---|
| Saisonkurve Online-Einzelhandel | 2015–2019 | Weiterhin aktuellste frei verfügbare Reihe. Die Fortschreibung erfordert einen Datenbankzugang; zusätzlich Basisjahr- und Klassifikationsbruch im Mai 2026. Bleibt mit ausdrücklichem Vorbehalt. |
| Frequenz-Metaanalyse | 2015 | Weiterhin aktuellste. Gezielt nach Neuerem gesucht, nichts gefunden. Stabiler Messgegenstand, aber: misst Laborkontakte, nicht Digitalfrequenz — Übertragung auf Frequenzkappungen ist Interpolation, kein Befund. |
| Mere-Exposure-Metaanalyse | bis ca. 2015 | Weiterhin aktuellste; ersetzt die ältere Metaanalyse von 1989, die nur noch historisch erwähnt wird. Kognitiver Grundmechanismus, Alter unkritisch. |
| eWOM / Bewertungen | vor 2016 | Weiterhin aktuellste, aber Strukturbruch wahrscheinlich: Bewertungsinflation, verifizierte Käufe, Ranking-Algorithmen und Fake-Erkennung haben sich stark verändert. |
| Gütesiegel-Feldexperiment | vor 2015 | Weiterhin aktuellste randomisierte Studie dieser Größenordnung. Siegel-Landschaft und Erwartungen haben sich verändert; US-Daten. |
| Referenzpreis-Metaanalyse | 1980–1999 | Teilweise überholt. Preisvergleichsportale und § 11 PAngV haben die Wirkung von Streichpreisen rechtlich und psychologisch verändert. Eine Metaanalyse nach Inkrafttreten der 30-Tage-Regel existiert nicht. Bleibt mit Vorbehalt. |
| Verlustaversion | 1992–2017 | Ersetzt durch die Reanalyse von 2025, die denselben Datenbestand neu auswertet und die Standardinterpretation kippt. Nur die Reanalyse wird im Guide verwendet. |
| Nullpreis-Effekt | vor 2007 | Weiterhin aktuellste für den Mechanismus; basaler Bewertungseffekt, Alter vertretbar. Kleine Stichproben, US-Studierende — Übertragung auf „Versandkostenfrei" ausdrücklich als Analogie gekennzeichnet. |
| Versandkosten-Studie | vor 2006 | Strukturbruch. Seit Amazon Prime hat sich die Erwartungshaltung grundlegend geändert. Die Profitabilitätsrechnung ist nicht übertragbar — die Warnung vor unprofitablen Freischwellen bleibt. |
| Blickführung / Gaze Cueing | vor 2017 | Weiterhin aktuellste für den Wahrnehmungsmechanismus; Bannerkontext-Übertragung mit Vorbehalt. Labor, N = 137 — keine Grundlage für Conversion-Versprechen. |
| Foot-in-the-Door / Door-in-the-Face | bis 1997 | Neuere Arbeiten existieren, waren aber wegen Verlagssperren nicht im Volltext prüfbar. Bleibt mit dem Hinweis auf den kleinen und bedingungsabhängigen Effekt. |
| Mentale Verfügbarkeit | 2012–2015 | Strukturbruch plausibel: Der Mediamix von 2012–2015 bildet weder Social Video noch Retail Media ab. Nur als Denkwerkzeug geführt. |
| 60/40-Regel (IPA) | 1980–2010 | Teilweise überholt — Prä-Social-Media-Ökonomie. Gleichzeitig existiert keine vergleichbare unabhängige Datenbank. Bleibt mit ausführlichem Methodenvorbehalt, ausdrücklich nicht als Planungsgröße für kleine Shops. |
| Excess Share of Voice | vor 1990 | Nicht mehr verwendbar als Planungsregel. Klarer Strukturbruch, Kritik aus dem eigenen Lager, und zu keiner Quelle ist eine Varianzaufklärung berichtet. Im Guide nur noch als Warnung geführt. |
| Retouren-Primärerhebung | 2020–2021 | Weiterhin aktuellste mit dieser methodischen Tiefe; die Jahreszahlen extrapolieren auf ihrer Basis. Kategoriequoten aus 2018–2022 bleiben nur als Orientierung, mit sichtbarer Altersangabe. |
| Werbeartikel-Wirkungszahlen | unbekannt, vor 2019 | Nicht verwendbar. Erhebungsjahr, Stichprobe und Methodik in keiner zugänglichen Quelle genannt; Auftraggeber ist die Branche; der Vergleich mit TV-Recall ist methodisch schief. Im Guide nur als Beispiel für interessengeleitete Zahlen erwähnt. |
| „5.000 Werbekontakte"-Gegenrechnung | 2014 | Nicht mehr verwendbar als Niveauangabe — Smartphone-Nutzung und Social Feeds haben die Kontaktzahlen verändert. Der Guide nennt deshalb gar keine Tageskontaktzahl. |
| Kommunale Amtsblätter (BGH 2018) | 2018 | Geltende höchstrichterliche Rechtsprechung, nicht aufgehoben. Bei Recht ist „alt" kein Mangel, solange die Entscheidung Bestand hat. |
Diese Angaben sind Einschätzungen ohne eigenen Beleg. Sie sind begründet, aber nicht gemessen. Wer sie im Kundenprojekt verwendet, sollte sie als das kennzeichnen, was sie sind:
Budget und Rechnung: die drei Budgetgrenzen · der Produktionszuschlag von 20–30 % · die Aussage, dass die Wiederkaufrate der stärkste Hebel im Werbebudget ist · die Spanne 900–1.500 € für einen Dialogpost-Test · die realistischen Mindestbudgets für Radio (2.500–3.500 €) und TV.
Kanäle: die gesamte Spalte „Eignung Onlineshop" · die gesamte Entscheidungstabelle in Sektion 05 · die Reihenfolge des Kanalaufbaus · die Paketbeilagen-TKP (Vermarkterangabe) · DOOH-Mindestbudget und Spotproduktionskosten · alle TV- und Addressable-TV-Kosten · die Bandenwerbungspreise · die Einschätzung, dass 60–90 % der Wirkung unadressierter Werbung unsichtbar bleibt.
Psychologie: die Übersetzungsspalte „was das im Shop heißt" bei den Effektstärken · die Übertragung des Reziprozitätsbefunds auf Paketbeilagen · die Einordnung, dass Valentinstag außerhalb der Geschenkkategorien Folklore ist.
Termine: die Annahme, dass die Grundform der Saisonkurve trotz der Pandemiejahre gilt · die Näherung für Einschulungstermine 2027 · die abgeleiteten Versandfristen 2026 und 2027 · die Prognosefenster für Prime Day 2027 · die Einschätzung zu Winter- und Sommerschlussverkauf · die Empfehlung, bei Low-Budget nur zwei bis drei Termine zu fahren · die Empfehlung, bei Black Friday nicht in den Prozentwettbewerb einzusteigen · die Aussage, dass eine Erinnerungsmail an eine bestehende Liste die meisten bezahlten Anzeigen im Kosten-Nutzen-Verhältnis schlägt.
Alles andere in diesem Guide trägt Fakt oder Studie und ist oben belegt.
Dieser Werbe-Guide wurde inhaltlich geprüft und für die Weitergabe freigegeben durch die brain at work GmbH. Für die Übertragung auf ein konkretes Projekt — Kanalauswahl, Jahresplan, Budgetverteilung und Messkonzept — stehen wir gern zur Verfügung. Die zwölf Angaben, die wir dafür brauchen, stehen in Sektion 08.